Welche Veröffentlichung oder Firmenbroschüre man zum Thema Dachbegrünung auch aufschlägt, man findet immer eine mehr oder weniger vollständige Auflistung der Vorteile dieser Bauweisen. Dennoch sind viele Bauherren immer noch nicht vom Nutzen begrünter Dächer überzeugt. Es fehlen greifbare Zahlen. Fakt ist, dass jährlich der Anteil begrünter Dächer steigt und derzeit etwa 12-14 Millionen Quadratmeter beträgt. Und die Tendenz ist steigend. Zu Recht, wenn man die Siedlungsentwicklung betrachtet und man davon ausgehen kann, dass in Deutschland täglich etwa 120 Hektar Grünfläche mit Gebäuden und Verkehrsflächen überbaut werden.
In diesem Beitrag soll über die mögliche Sichtweise verschiedener Bauherren und Vorteile begrünter Dächer diskutiert werden.
Vereinfacht gesagt, sind fast alle Begrünungsformen auf dem Dach machbar - von der einfachen, dünnschichtigen Extensivbegrünung mit niedrigwüchsiger Vegetation bis hin zu begeh- und befahrbaren Tiefgaragenbegrünungen mit Sträuchern und Bäumen. Begrünbar sind sowohl gefällelose Flachdächer, als auch Steildächer bis etwa 45° Neigung. Letztgenannte Varianten sind allerdings nur erfahrenen Planern und Garten- und Landschaftsbaufirmen zu überlassen, denn in diesen Dachneigungsbereichen sind die Grenzen von Dachbegrünungen erreicht. Gängige Extensivbegrünungen haben eine Schichthöhe von 8-15 cm und ein Gewicht von etwa 80-200 kg/m² (Ausnahme: Leichtbauweise mit etwa 40 kg/m²). Intensivbegrünungen wiegen dagegen in einer Aufbauhöhe von 35 cm etwa 400 kg/m². Die Kostenrichtwerte für extensive Begrünungen liegen ab etwa 10 €/m², bei Intensivbegrünungen belaufen sie sich ab etwa 50 €/m². Pflegekosten sind mit etwa 0,5-4 € (extensiv bzw. intensiv) anzusetzen. Grundlage für dauerhaft funktionsfähige Dachbegrünungen bilden seit Jahren die "Richtlinien für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen" der Forschungsgesellschaft Landschaftsbau Landschaftsentwicklung [7]. Diese FLL-Richtlinien legen u. a. Vorgaben zu Material- und Ausführungsqualitäten fest.
Gewerblicher Bauherr
Der Großteil der begrünten Dachflächen steckt im gewerblichen Bau. Hier werden zum Teil riesige Gebäude, 20.000 m² sind da keine Seltenheit, begrünt [16]. Oft werden die Bauherren im Rahmen der §§ 19 ff. des Bundesnaturschutzgesetzes BNatSchG dazu verpflichtet, ihre Dächer zu begrünen. Dieser "Zwang" stößt selten auf Gegenliebe und lässt schnell "Argumente" gegen die Dachbegrünung finden - Herstell- und Unterhaltungskosten, Mehraufwand für die Statik, fehlender Nutzen usw. Punkte, die teilweise stimmen und dennoch von einer nicht sehr weitsichtigen Sichtweise zeugen. Denn den je nach Planungsstadium und Bauweise mehr oder weniger erhöhten Kosten der Statik und des Einbaus der Dachbegrünung, stehen Einsparungen hinsichtlich Energie, Ausgleichszahlungen und Niederschlagswassergebühren entgegen. Weitere, nicht zu vernachlässigende Aspekte sind:
Die Gemeinden haben Sorgen mit den Unterhaltungskosten (Instandhaltung und Sanierung) öffentlicher Gebäude wie Schulen, Kindergärten und Turnhallen. In regelmäßigen Zyklen fallen Flachdächer zur Sanierung an. In diesem Zuge setzen sich immer mehr Kommunen über das längst überholte Vorurteil hinweg, Dachbegrünungen schaden der Dachabdichtung, und sehen bei Sanierungen grundsätzlich ein Gründach vor. Die Stadt Sindelfingen propagiert in einer internen Studie die längere Haltbarkeit der Dachabdichtung, die Heizkosteneinsparung bzw. CO2-Reduzierung und die Kanalentlastung [19].
Der Anteil begrünter Privathäuser mit Garagen und Carports ist sicherlich im Vergleich zu gewerblichen Flächen gering, jedoch nicht zu unterschätzen. Gründächer haben im Privathausbereich eine gewisse Akzeptanz erfahren, auch wenn viele Eigentümer die Kosten scheuen und den vielfältigen Nutzen gerade in ländlichen Regionen in Frage stellen. Wie im kommunalen und gewerblichen Bereich bieten sich dem Privatmann mit der Begrünung von Dachflächen Kosteneinsparungs- und Wertsteigerungspotenziale. Das gilt vor allem für Besitzer von Flachdächern in stärker besiedelten Gegenden.
Bei Besitzern von Einfamilienhäusern, meist in Schrägdachbauweisen, fallen dagegen die Einsparungen und "Gewinne" deutlich geringer aus. Hier spielen andere, nicht weniger wichtige Argumente eine entscheidende Rolle:
Dächer zu begrünen bietet jeder Zielgruppe Vorteile und Nutzen, die sich direkt oder indirekt bezahlt machen. Es ist oftmals eine Frage der Einstellung und Sichtweise. Jeder Bauherr sollte speziell für sich und sein Bauvorhaben eine eigene Kosten-Nutzen-Analyse erstellen. Der Dachbegrünungsmarkt wird sich zum Nutzen aller ausdehnen und nicht nur auf neue Gebäude konzentrieren, sondern auch die anfallenden Sanierungsfälle berücksichtigen.
Unterm Strich trägt jeder Quadratmeter Gründach für verbesserte Umwelt- und Lebensraumbedingungen bei, insbesondere der Beitrag zur Kanalentlastung ist beachtenswert. Hierzu liegen aktuelle Forschungsergebnisse und Simulationsprogramme vor. Es sollte auch festgehalten werden, dass der Nutzen begrünter Dächer in einigen Bereichen, wie z.B. Dämmleistung, Schadstoffrückhaltung und Lärmminderung noch detaillierter erforscht und erfasst werden muss.
Dr. Gunter Mann
Vorsitzender Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB), Hemminger Straße 46, 71254 Ditzingen, Germany, Tel. +49/7152-353003, Fax +49/7152-353004, E-mail infoline@fbb.de, www.fbb.de;
Leiter Marketing, Optigrün international AG, Am Birkenstock 19, 72505 Krauchenwies, Germany, Tel. +49/7576/772-0, Fax +49/7576/772-299, www.optigruen.de, E-Mail info@optigruen.de
(1) BGL (1998): Regenwassermanagement - natürlich mit Dachbegrünung. - Hrsg., Bad Honnef
(2) DDV (1998): Bebauung erst durch Gründächer möglich. - Deutscher Gartenbau 27
(3) DÜRR, A. (1994): Dachbegrünung. Ein ökologischer Ausgleich. Umweltwirkungen, Recht, Förderung. - Bauverlag, Wiesbaden, Berlin
(4) EISELE, G., WEIHING, K. (1998): Modellvorhaben "Ökologische Regenwasserbewirtschaftung in Winterlingen". - Wasserwirtschaft 9
(5) FBB (1999): Förderungen von Dachbegrünungen durch eine Gespaltene Abwassersatzung. - Information Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V., Köln, Hrsg.
(6) FBB FACHVERBAND BAUWERSBEGRÜNUNG (1997): Verankerungen von Dachbegrünungen im kommunalen Baurecht. - Information Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V., Köln, Hrsg.
(7) FLL (2002): Richtlinien für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen (Dachbegrünungsrichtlinie). - Schriftenr. FLL
(8) GÖTZE, H. (1990): Vorträge zu Schutzwirkungen von Dachbegrünungen. - Seminarunterlagen, Stein
(9) HÄMMERLE, F. (1995): Kosten-Nutzen-Analyse einer extensiven Dachbegrünung. -Dach + Grün 1
(10) HOESCHELE, K., SCHMIDT, H (1974): Klimatische Wirkung einer Dachbegrünung. - Garten und Landschaft 84 (6)
(11) KOLB, W. (1997): Dachbegrünung rechnet sich. - Deutscher Gartenbau 18
(12) KOLB, W. et al (1993): Zum Klimatisierungseffekt von Pflanzenbeständen auf Dächer. (1) Kühlleistung, (2) Wärmedämmverhalten. - Veitshöchheimer Berichte Heft 4
(13) LIEDKE (1998): Die Wirtschaftlichkeit von Dachbegrünungen bei Gewerbebauten. - Gründachsymposium der Stadt Mülheim/Ruhr
(14) LIESECKE, H.J., BORGWARDT, H. (1997): Abbau von Luftschadstoffen durch extensive Dachbegrünungen. - Stadt und Grün 4
(15) MANN, G. (1996): Die Rolle begrünter Dächer in der Stadtökologie. - Biologie in unserer Zeit 5
(16) MANN, G. (2000): Pflanzen soweit das Auge reicht. - Das Dachdeckerhandwerk 5
(17) MANN, G. (2000): Der Wasserhaushalt begrünter Dächer. - Neue Landschaft 4
(18) MANSCHEK, E. (1997): Erfahrungen mit extensiven Dachbegrünungen bei der Staatlichen Hochbauverwaltung. - bau intern 6
(19) N.N. (1995): Sindelfingen will Sanierungen mit Dachbegrünung verbinden. - Dach + Grün 2
(20) NRW Ministerium für Umwelt-, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) (1999): Wasserrundbrief 4 Initiative ökologische und nachhaltige Wasserwirtschaft in Nordrhein-Westfalen
(21) PA (1996): Klimaverbesserung für die Mannheimer Innenstadt. - Gartenbau Report 6
(22) PA (1996): Kühlwirkung begrünter Dächer . - Gartenbau Report 6
(23) ZVG/GALK/FLL (1997): Dachbegrünung direkt und indirekt gefördert. - Stadt und Grün 4