Convegno, Bolzano, Sala di Representanza del Municipio, 25. Oktobre 2002
Tagung, Bozen, Festsaal der Gemeinde, 25. Oktober 2002
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COSTRUIRE MEGLIO? PER UNO NUOVO RAPPORTO TRA EDILIZIA E AMBIENTE
BESSER BAUEN? EIN NEUES VERHÄLTNIS ZWISCHEN BAUTÄTIGKEIT UND UMWELT
Manuskript - Kurzfassung von Fritz Hämmerle
Die rasch fortschreitende technische Entwicklung in Europa, verbunden mit einer starken Bautätigkeit, führt zu enormen Umweltbelastungen. Alle in Europa anzutreffenden Wirtschaftssysteme sind auf Wachstum ausgerichtet. Nur so können die angestrebten Ziele für Wohlstand und sozialen Frieden verwirklicht werden.
Die daraus erwachsenden Belastungen für die Umwelt müssen ausgeglichen werden. Ansonsten laufen wir Gefahr unsere natürlichen Lebensgrundlagen irreparabel zu zerstören. Der voll-ständige Ausgleich der permanenten Eingriffe in die Natur ist deshalb das Gebot der Stunde. Die ökologische Nachhaltigkeit des politischen Handelns und die Verantwortung gegenüber den Ressourcen und unseren nachfolgenden Generationen, müssen sichergestellt werden. Nur dann ist die in Europa durchgängig praktizierte Wachstumspolitik gerechtfertigt. Das deutsche Naturschutzgesetz trägt dieser Forderung Rechnung und schreibt deshalb zwingend vor, dass jede mit Eingriffen in die Natur verbundene Baumaßnahme eine adäquate Ausgleichs- bzw. Kompensationsmaßnahme zur Folge haben muss.
Der identische Ausgleich kann und muss dabei nicht erreicht werden. Die qualitativ gleichwertige Kompensation muss aber sichergestellt werden. Jeder Planung muss eine Ökobilanz zu Grunde liegen, die mit objektiven Kriterien nachweist, dass nach Ende der Baumaßnahme die ökologische Wertigkeit der bebauten Fläche mindestens genauso groß ist, wie es vor der Bebauung der Fall war.
Dieses Ziel kann mit einer großen Anzahl von ökologisch positiv wirkenden Maßnahmen erreicht werden. Die Bauwerksbegrünung ist dabei eines der effizientesten Instrumente. Im Folgenden soll auf die wichtigsten positiven Wirkungen der Begrünung von Dächern im Sinne der genannten Ausgleichs- und Kompensationsforderungen eingegangen werden.
Gründächer bieten zumindest teilweise einen Ausgleich für durch Baumaßnahmen verloren gegangene Freiflächen. Die ökologische Wertigkeit begrünter Dachflächen ist dabei meist qualitativ höher, als die ursprünglichen unbebauten Flächen. Pflanzen und Tiere finden auf dem begrünten Dach ein fast ungestörtes Rückzugsgebiet. Dachbegrünungen dienen außerdem der Biotopvernetzung. Nachweislich können Pflanzen und die Tiere, die bisher als vom Aussterben bedroht galten, in großer Zahl auf begrünten Dächern wieder angetroffen werden. Dachbegrünungen zeichnen sich bei qualitativ hochwertiger Ausführung, durch eine große Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren aus.
Wissenschaftlich nachgewiesen ist die hervorragende Fähigkeit von Gründächern Niederschlagswasser zurückzuhalten. In diesen Tagen wurden weite Teile Europas von einer verheerenden Überschwemmungskatastrophe heimgesucht. Die Gründe dafür sind in verschiedenen Bereichen zu suchen. Ganz sicher ist die fortschreitende Versiegelung unserer Landschaft eine der Ursachen. Allein in Deutschland werden in jeder Sekunde acht Quadratmeter bisher freier Fläche asphaltiert, betoniert und überbaut. Der Versiegelungsgrad beträgt in Deutschland bereits 14%. Die EFB - Europäische Föderation der Bauwerksbegrünungsverbände - und ihre nationalen Mitgliedsverbände, weisen seit vielen Jahren darauf hin, dass mit der Begrünung von Dächern ein Beitrag zur Reduzierung von Überflutungen geleistet werden kann. Gründächer halten 70 Prozent des Regens zurück. Die restlichen Wassermengen gelangen mit einem großen zeitlichen Verzug in die Kanalisation und richten dann keine schweren Schäden mehr an.
17.000 Quadratmeter extensiver Dachbegrünung halten so viel Regen zurück wie ein Regenrückhaltebecken.
In Deutschland gibt es rund 1,5 Milliarden Quadratmeter Flachdächer. Jährlich werden 100 Millionen Quadratmeter Flachdächer neu gebaut bzw. saniert. Diese Flächen sind gigantische Regenrückhalteräume, die zum größten Teil unbegrünt und damit ungenutzt bleiben, aber zur Verminderung von Hochwasserkatastrophen hervorragend beitragen könnten.
Einige Städte haben diese Chance erkannt und nutzen sie konsequent. Die Stadt Stuttgart schreibt Dachbegrünungen in allen Bebauungsplänen verbindlich vor. Damit wird Hochwasser vorgebeugt und damit den negativen Folgen der Landschaftsversiegelung entgegen gewirkt.
Gründächer sparen durch ihre dämmende Wirkung die immer knapper und teurer werdende Energie und damit Kosten. Fast alle Funktionsschichten leisten ihren Sparbeitrag. Ganz besonders wirksam erweisen sich dabei Drainschichten und Dachbegrünungssubstrate, die überwiegend aus leichten Zusatzstoffen wie Blähton, Blähschiefer, Bims, Lava oder Recyclingstoffen hergestellt werden und die über mehr als 10 % Luft verfügen. Nicht zu verachten ist auch die isolierende Wirkung der Pflanzendecke.
Leider kann die Dämmwirkung der einzelnen Funktionsschichten einer Dachbegrünung, von der Dränschicht bis hin zur Krautdecke noch nicht zuverlässig quantifiziert werden. Hier besteht ein dringender Forschungsbedarf, mit dem diese segensreiche Wirkung auch zweifelsfrei belegt und damit besser nutzbar gemacht werden kann. Die Europäische Föderation der Bauwerksbegrünungsverbände bemüht sich auf europäischer Ebene Forschungsvorhaben in diesem Bereich ins Leben zu rufen.
Vor allem durch Evaporations- und Transpirationsleistungen und durch einen sehr effizienten Schallschutz sowie durch die Verminderung von Lichtsmog. Dachbegrünungen binden und filtern außerdem Staub und Luftschadstoffe und tragen dadurch zur mehr Lebensqualität bei.
Begrünte Dächer bieten einen wirksamen Schutz gegen elektromagnetische Wellen, wie sie von Mobilfunkanlagen ausgehen. Zu diesem Ergebnis kommen neueste Messungen, die im Auftrag des Forschungslabors für experimentelles Bauen an Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) am Institut für Hochfrequenz-, Mikrowellen- und Radartechnik der Universität der Bundeswehr, München, durchgeführt wurden.
In besonders dramatischer Weise hat sich die Erwärmung der Atmosphäre in den letzten Jahren entwickelt. In ihrem Ausmaß und Häufigkeit bisher nicht bekannte weltweite Naturkatastrophen sind die Folge. Viele höchst unterschiedliche Ursachen sind dafür verantwortlich. Ganz sicher spielt aber auch hier die seit Jahrzehnten andauernde Bautätigkeit eine nicht geringe Rolle. Die Begrünung von Dächern kann auch in diesem Bereich einen Beitrag zur Verminderung der fortschreitenden Erwärmung leisten.
Die nach wie vor unvermindert starke Bautätigkeit, führt zu enormen Umweltbelastungen. Diese negativen Auswirkungen müssen im Sinne einer nachhaltigen Politik ausgeglichen werden. Die Bauwerksbegrünung ist eines der effizientesten Instrumente, um diesen Ausgleich herzustellen. Dachbegrünungen tragen dazu bei, dass die unbestritten notwendige weitere Bautätigkeit verantwortlich fortgeführt werden kann. Deshalb ist die Förderung der Begrünung von Dächern und Fassaden gleichermaßen aktiver Umweltschutz und ein Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung unserer Gesellschaft, ohne negative Folgen für unsere Umwelt.